,

Neujahrsempfang 2016 im Rathaus

Ich hoffe, Sie haben alle das Jahr 2015 gesund, glücklich und erfolgreich hinter sich gebracht und blicken nun am Anfang dieses Neuen Jahres voller Zuversicht auf das vor Ihnen liegende Jahr 2016.

Bevor ich angefangen habe, mir Gedanken zu machen, was ich zum heutigen Anlass sagen könnte, habe ich einen Blick in die Rede des letzten Jahres geworfen. Damals war das Attentat auf die Redaktion von Charlie Hebdo das Thema. Jeder von uns war nicht nur über die Zahl der Toten und über die Brutalität des Anschlags entsetzt. Wir waren auch davon schockiert, dass der islamistische Terror nicht mehr im Irak oder Afghanistan zuschlug, sondern hier bei uns in Europa. Manchem wurde zum ersten Mal klar, dass sich Terror und Fanatismus nicht von Europas Grenzen abhalten lassen werden, dass wir uns nicht mehr in Sicherheit wiegen können und dass wir nicht auf einer Insel leben.Das hat sich grausam und brutal bei den Anschlägen im Dezember in Paris bestätigt! Unschuldige Opfer, ermordet, ja hingerichtet, aus Hass und Verachtung gegenüber unserer Kultur! Die Attentäter lebten teilweise seit Jahren in Europa oder sind hier aufgewachsen! Woher kommt diese Kälte und Grausamkeit gegenüber den Mitmenschen? Was können wir dagegen tun? Können wir überhaupt etwas dagegen tun? Das erste Mal seit langer Zeit verfolgen wir eine Krise nicht nur vor dem Fernseher, denn sie findet mitten in Europa statt.

Europa ist keine Insel. Die Kriegsgebiete im Irak, Syrien, Afghanistan oder Afrika sind nicht so weit weg. Die Leidtragenden suchen nach Rettung und Fluchtmöglichkeiten. Über das Internet finden Sie schnell das Land Ihrer Hoffnung und Wege dorthin. Seit dem Sommer sind hunderttausende über die Balkanroute nach Europa und hauptsächlich nach Deutschland gekommen. Überall in Bayern werden sie mehr schlecht als recht und vor allem provisorisch untergebracht. Sie müssen das Asylverfahren durchlaufen, das unerträglich lange dauert, die Sprache und einen Beruf lernen oder wenigstens Arbeit finden, in eine Schule gehen und sich integrieren. Hunderttausende müssen das und 2016 wird die Zahl der Flüchtlinge nicht abnehmen.

Ich will nicht auf die zahlreichen Vorschläge zu Gesetzesänderungen eingehen oder zu Maßnahmen zur Eindämmung der Flüchtlingsströme oder nachzuweisendem Integrationswillen. Wir brauchen keine neuen Gesetze, wir wären doch schon erleichtert, wenn die bestehenden umgesetzt würden. Das gilt gerade auch nach den kriminellen, sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln. Begangen wurden sie mehrheitlich von Migranten und Asylbewerbern aus dem nordafrikanischen und arabischen Raum. Bestehende Gesetze anwenden, schnelle Bestrafung mit allen Konsequenzen und ehrliche Kommunikation der Vorfälle. Diese Maßnahmen würden helfen, unseren Bürgern mehr Sicherheit zu geben.

Unsere Bundeskanzlerin sagt: Wir schaffen das! Ich würde ein Wort hinzufügen. Wir müssen das schaffen! Es gibt keinen Weg zurück. Die ruhigen Zeiten liegen hinter uns.

Wir brauchen mehr Angestellte in den Asylämtern, bei der Polizei, mehr Lehrer und endlich wieder sozialen Wohnungsbau. Übrigens seit Jahren von den Kommunen gefordert, gerade für unsere Mitbürger, die nicht jeden Mietpreis zahlen können. Aber es ist auch dringend finanzielle und politische Hilfe direkt in den Herkunftsländern der Flüchtlinge nötig! Die Menschen brauchen in ihrer Heimat eine Perspektive.

Das Jahr 2015 hat uns eines gezeigt! Es gibt in unserem Land unglaublich viel bürgerschaftliches Engagement und ehrenamtliche Hilfsbereitschaft. Das erfüllt mich -und hoffentlich auch Sie- mit Optimismus für 2016! Tausende Menschen stehen in ihrer Freizeit bereit, helfen bei der Ankunft der Flüchtlinge, bei der Eingewöhnung, in den Behörden, geben Unterricht. Sie organisieren und vernetzen sich, tauschen Erfahrungen aus, lernen selbst dazu. Sie setzen sich mit Enthusiasmus, Mitgefühl und Realismus ein. Staatliche Institutionen werden gleichzeitig flexibler. Unser Land ändert sich jetzt schon. Kreative Lösungen sind gefragt.

Ich bin fest überzeugt, dass der Amerikaner Roger Cohen recht hat, wenn er zur gegenwärtigen Situation in Deutschland in der New York Times schreibt: „Im Ergebnis wird Deutschland in der nächsten Generation ein stärkeres, vitaleres, dynamischeres Land werden.“

Hier in Wörthsee übernehmen wir ebenfalls Verantwortung. Wir bleiben realistisch, handeln pragmatisch und streben das Machbare an. Wir nehmen die Flüchtlinge auf, die uns vom Landratsamt zugewiesen werden. Wir danken den privaten Eigentümern dafür, dass Sie für den Bau von Unterkünften ihre Grundstücke zur Verfügung stellen. Die vielen Wörthseer, die bereits jetzt ihre Hilfe angeboten haben, werden sicher einen Helferkreis gründen. Die Gemeinde wird mit dem Helferkreis zusammen alles Notwendige tun, dass die neuen Einwohner hier ankommen und in Frieden leben können und die Anlieger mit der neuen Situation zufrieden sein können. Es werden durch die starke Zuwanderung noch viele Aufgaben auf uns zukommen, wir werden sie Schritt für Schritt lösen. Vielleicht langsam, aber gründlich, wie immer.

Und wir werden dabei Aufgaben und Planungen hier in der Gemeinde nicht vernachlässigen. Wir arbeiten daran, dass REWE einen weiteren Vollsortimenter in unserem Ort errichtet und unterstützen die Organisatoren eines Dorfladens. Wir fangen gerade an, das Urban-Dettmar-Haus zu sanieren und umzubauen, sodass die Nachbarschaftshilfe vielleicht schon im Mai/Juni ihre Tagespflegeeinrichtung eröffnen kann. Im Gemeinderat beschäftigen wir uns erstmals seit Jahren wieder mit dem Thema Mietwohnungsbau. Eine weitere Querungshilfe in der Etterschlagerstraße wird gebaut.

Ich freue mich auf die Fertigstellung der Außenanlagen der Grundschule und den Tag der Offenen Tür für alle Bürger. Und natürlich auf die Eröffnung des Augustiners im Juni, auf das Seefest der Donarbichler und auf das Kino-Openair im Juli! Es gibt sicher auch für Sie viele Gründe, sich auf das neue Jahr zu freuen.

Ich bin Optimistin und deshalb glaube ich daran, dass wir alle Momente des Glücks und der Lebensfreude erleben werden.

Wenn es den Einsatz von Bürgern nicht gäbe, wo wäre unsere Gemeinde dann? Sie stünde sicher nicht so gut da wie heute. Sie alle hier tragen dazu bei, dass unser Ort lebenswert ist und bleibt. Dass er stark und vital ist. Wir haben Sie zu unserem Neujahrsempfang eingeladen, um wenigstens einmal im Jahr Danke zu sagen! Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihren ehrenamtlichen Einsatz und bekunden unseren Respekt für sportliche und kulturelle Leistungen oder unternehmerischen Erfolg.

Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes, wunderbares und erfolgreiches Jahr und dass wir das, was wir uns vorgenommen haben, erfolgreich bewältigen können.

NJE16

 

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.